Immer neue Regulierungen werden von staatlicher Seite bestimmt: Die Buchpreisbindung für e-books soll jetzt kommen! Auch wird laut darüber nachgedacht, wie man die Taxi-Landschaft per Regulierungen vor Uber retten kann.
Was ich daran nicht verstehe: Wieso wollen wir sie überhaupt retten? Für mich das ein Eingriff in die Marktwirtschaft, die jede Berechtigung vermissen lässt. Wieso gilt es, die Taxi-Betreiber zu retten? Wieso nicht Uber? Wieso genießt der offline-Buchhandel mehr Priorität als der digitale?
Bestandsschutz ist wichtiger als die Förderung von Neuem.
Zumindest hierzulande. In anderen Ländern sieht das völlig anders aus. Wir Deutschen lieben unsere Sicherheit, unsere Vorhersehbarkeit, unseren Schutz durch Kontrolle. Und wenn wir damit untergehen – egal! Wir haben uns bis dahin behütet und sicher gefühlt. Das erinnert mich an die Szene in „Titanic“, wo die alten Herren trotz Havariemeldung weiter gemütlich mit ihrem Brandy in der Lounge sitzen und ernsthaft glauben, das sinkende Schiff beträfe sie nicht. Bis das Wasser herein strömt und sie plötzlich erkennen, dass sie falsch lagen. Nur ist es dann zu spät und sie gehen unter.
Wie viele Unternehmen verhalten sich so ignorant wie diese Herren?
Immer wieder höre ich vereinzelt Unternehmer sagen, dass die Digitalisierung und auch die Globalisierung sie nur am Rande beträfen, weil ihr Geschäftsmodell analog und regional sei. Sie geben zu, dass sich sicher Geschäftsprozesse vereinfachen und verbessern ließen – jedoch seien im Gegenzug auch die Investitionen für Systemumstellungen und Mitarbeiter-Schulungen so hoch, dass sie nicht sicher seien, ob sich das Ganze am Ende lohnt. Jene Unternehmen, die es sich finanziell leisten können, der anstrengenden Diskussion zu entgehen, bedienen sich eines Tricks: Sie führen „Digitalisierung“ in ihren Prozessen ein und stellen ihre Systeme für teuer Geld um. Was sie jedoch nicht tun, ist, das Arbeiten umzustellen. Eine echte Marktorientierung wird nicht strukturell verankert. Der Mitarbeiter orientiert sich in seinem Tun nach wie vor an starren firmen-internen Prämissen, nicht an den realen und dynamischen Bedürfnissen seiner Kunden und Märkte.
Ich habe oft das Gefühl, dass Unternehmer sich insgeheim die Frage stellen: Mache ich bei der Digitalisierung mit oder nicht? Ich mag mich täuschen, aber ich sehe diese Option nicht. Zumindest nicht unter der Prämisse, dass das Unternehmen bestehen bleiben will. Denn Digitalisierung und der damit verbundene tiefgreifende Wandel der Gesellschaft und Wirtschaft passieren. Auch ohne die Zustimmung von Vorständen und Gremien.
Was geschehen soll, wird geschehen.
Regulierungen können das nur verzögern und dabei Schaden anrichten, verhindern können sie das nicht. Aus meiner Sicht ist es nicht nur falsch, Bestehendes vor dessen Untergang zu bewahren – es ist für mich fatal und wirklich gefährlich. Denn während unser Staat sich um die Rettung und Konservierung des Alten kümmert, fördert er nicht das Neue.
Mir ist wohl bewusst, dass der offline-Buchhandel mehr Menschen beschäftigt als beim Verkauf von e-books benötigt werden und, dass mit dem Sterben einer Branche auch Entlassungen einhergehen. Umso wichtiger, dass die davon betroffenen Menschen sich neu organisieren und an die reale Welt anpassen. Sie werden durch Regulierungen und Förderungen aus vermeintlicher Fürsorge „geschützt“ und in Watte gepackt. Sie fühlen sich sicherer in ihrer Welt, als sie tatsächlich sind. Wenn sie den Wandel und dessen Konsequenz voll spüren könnten, würden sie ein echtes, ein dringendes Bedürfnis entwickeln, sich neu zu orientieren am Arbeitsmarkt und sich eigenverantwortlich um ihre Zukunft kümmern. Das passiert jedoch nicht, wenn sie das Gefühl und die Dringlichkeit nicht spüren.
Das Muster ist immer dasselbe. Veränderung ängstigt die meisten Menschen, weil sie systematisch verlernt haben, damit umzugehen. Das gilt auch für unsere Regierung. Auch sie besteht aus Menschen, die verlernt haben, mit Veränderung umzugehen und sie deshalb mit großem Aufwand meiden. Das Paradoxe daran: Veränderungsfähigkeit ist eine unserer default-Einstellungen. Wir wissen nicht, was morgen passiert und können trotzdem entspannt in den neuen Tag gehen. Wir können Veränderung. Vielmehr noch: Wir sind Veränderung.
Ein zweites Muster, auch immer wiederkehrend, ist dieses: Unser Staat sieht sich in der Verantwortung, seine Bürger zu schützen. Er nennt das gern Fürsorgepflicht. In den meisten Fällen äußert sich diese allerdings eher in übergriffiger Entmündigung mit der Folge, dass Menschen diese annehmen und damit Verantwortung abgeben. Sie denken weniger eigenständig und handeln entsprechend wenig eigenverantwortlich. Das wiederum verängstigt in dynamischen Zeiten, weil sie darauf angewiesen sind, dass jemand – in diesem Fall der Staat – das neue „how-to“ für sie kennt. Und diese Erwartungshaltung wiederum versetzt den Staat noch stärker in die Fürsorgepflicht.
Erkennst Du den Teufelskreis? Ausbrechen ist angesagt! Ausbrechen, um zu überleben!
Freiheit für die Märkte statt künstlichem Schutz jener Unternehmen und Branchen, die den Wandel verpennt haben oder ablehnen. Stoppt Fürsorge und Bestand schützende Regulierungen! Dann werden Unternehmen und Menschen wieder selbst spüren, was sie tun müssen und ihre Selbstverantwortung und Veränderungsfähigkeit zurück erlangen.



